Die Sache mit dem falschen Lächeln…

Der nachfolgende Text entstand aus einer Situation die für viele vermutlich weniger schlimm gewesen wäre als für mich in diesem Moment. Es gibt Gefühle in uns denen wir uns nicht täglich bewusst sind, weil wir nicht zulassen, dass Sie uns beeinträchtigen. Jeder von uns hat Schwachstellen, die ihn angreifbar und verletzlich machen. Und auch wenn im Grunde nicht zählt was andere über uns denken oder von uns halten, so Streben wir doch nach Bewunderung, Verständnis und Respekt. Wenn wir dann gegenüber diesen Menschen scheinbar schlechter abschneiden fühlen wir uns unwohl oder verletzt.

Eine meiner größten Schwachstellen für mich ist mein Körper. Es gibt etliche Dinge an mir die ich nicht leiden kann doch das Schlimmste war und ist für mich schon immer mein Übergewicht. Es gibt Zeiten in denen es mir halbwegs gut damit geht und dann wieder welche in denen ich die Kontrolle verliere. Dann fühle ich mich unwohl, hässlich, fast schon abstoßend. Ein Teil unserer Gesellschaft mag diesen Blick auf das eigenen Ich verurteilen doch wer kann sich schon aussuchen wie er sich fühlt? Ich möchte an dieser Stelle behaupten, dass es keinen einzigen Menschen gibt der 100%ig mit sich zufrieden und im Reinen ist. Jeder hat seine dunklen Begleiter, nur können einige besser damit leben als andere. Lange Rede kurzer Sinn. Dies ist ein sehr persönliches Gefühl, dass ich versucht habe in Worte zu fassen. Vielleicht findet Ihr euch darin wieder oder es hilft euch zu verstehen.

Eure Nadine

Ein Brief an wen auch immer…

Es ist sehr schwer zu beschreiben. Dieses Gefühl, das in mir aufsteigt wenn ein Wort, ein Satz, eine Geste von dir, mich so hart trifft, dass es mir schwer fällt darauf zu reagieren.

Normalerweise bin ich nicht zimperlich und das weißt du, denn ich lächle fast immer. Ich bin ironisch, sarkastisch und für beinahe jeden Spaß zu haben. Ich bin äußerlich Stark wie ein Fels. Ich liebe was ich tue und gute Musik bringt das Beste in mir zum Vorschein. Ich funktioniere jeden Tag perfekt, leiste gute Arbeit, bin für Freunde und Familie immer gern eine Stütze. Und so ziehen Tage, Wochen und Monate dahin in denen alles gut zu sein scheint. Glücklich und zufrieden genieße ich sie. Ich fühle mich wohl  und bin mit mir im Gleichgewicht.

Und dann kommt er, der Moment in dem du etwas sagst über dessen Tragweite du dir nicht bewusst bist. Es ist das Gefühl das ich habe wenn ich andere Frauen sehe die scheinbar hübscher sind als ich. Wenn du Ihnen sagst, dass sie schöne Augen oder eine gute Figur haben. Ich stehe daneben und denke mir „Ja du hast Recht: Sie sieht wirklich toll aus.“ Dennoch spüre ich dieses ziehen im Bauch. Dieses Unwohlsein. Vielleicht Eifersucht? Neid? Ich blende es aus, lächle, mache sogar Komplimente. Ich gönne es Ihr aufrichtig. Bis zu diesem Augenblick habe ich die Lage unter Kontrolle.

Aber dann, wenn ich nicht darauf vorbereitet bin. Dann stehen wir zusammen, machen Witze, blödeln herum. Du machst eine Bemerkung über meine Figur. Es kann meine, in meinen Augen zu kleine Oberweite, der zu dicke Po oder die zu große Nase sein oder etwas völlig anderes, das ich an mir als so mangelhaft betrachte, dass ich es nicht schaffe darüber hinweg zu sehen und meine positiven Eigenschaften zu würdigen. Du sagst es nicht weil ich dich danach gefragt habe, du etwas bemängeln oder gar gemein sein wolltest. Du sagst es ohne darüber nachzudenken, weil es witzig sein sollte. Es kommt spontan und trifft mich bis ins Mark. Ich schlucke.

Streetart
©cocovonmünchenfotografie

 

Dieser Zweifel an mir ist die meiste Zeit tief vergraben, irgendwo im Keller meines Bewusstseins, eingeschlossen in eine hölzerne Kiste, versiegelt mit einem großen Schloß. Doch mit deinen Worten öffnest du die Kellertür, zerrst die Kiste heraus und schleuderst sie mir mit voller Wucht entgegen. Das Schloß bricht in tausend Einzelteile als sie mich trifft. Ich kann kaum darauf reagieren weil ich geschockt, gedemütigt und traurig zugleich bin. Mir schießen Tränen in die Augen die ich versuche zu unterdrücken. Es bereitet mir große Mühe die Fassung zu bewahren doch ich versuche darüber nachzudenken wie ich unbemerkt aus dieser Situation entfliehen kann, ohne den Eindruck zu erwecken, dass ich zutiefst verletzt bin.

Ich sage dir mit einem Lächeln, dass das uncool war, doch wie solltest du mich ernst nehmen? Woher sollst du wissen was du in mir ausgelöst hast wenn ich es verschweige und weiter lächle? Und so belasse ich es dabei, wende mich ab, ziehe mich zurück und atme tief durch während mir einige wenige Tränen übers Gesicht laufen.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s