#personal ;Du warst DIE EINE

„Melde dich einfach falls du Lust hast was zu unternehmen.“  „Du kannst mich immer anrufen wenn es dir schlecht geht.“ „Ich hab dich so lieb.“

Wie oft habe ich diese Sätze schon gehört und erwidert. So viele Menschen die mir in meinem Leben bisher begegnet sind haben Spuren hinterlassen und mich irgendwie geprägt. Doch die meisten von Ihnen waren nur kurze, manchmal intensive Bekanntschaften, in die ich dummerweise viel zu viele Hoffnungen gelegt hatte als mir tatsächlich erfüllt wurden. So oft habe ich mein Herz geöffnet, mich dem scheinbar Seelenverwandten hingegeben und kurz darauf gemerkt, dass Teile meiner wichtigsten Geheimnisse an jemanden weitergegeben wurden, der überhaupt gar kein Interesse hat ein zweites Mal nachzufragen. Immer wieder ertappte ich mich dabei wie ich, meistens viel zu früh, Vertrauen in eine Beziehung legte die noch gar keine war.

Ein gemütlicher Abend bei Rotwein und Lounge Musik auf einem kuscheligen Sofa kann so viele Geheimnisse enthüllen, die man eigentlich nur seiner besten Freundin erzählen würde. Aber was wenn man die nicht hat? Was wenn die eine wichtige Bezugsperson fehlt der man sein Leben anvertrauen würde? Damit meine ich nicht, dass nicht der Partner oder die Partnerin einen solchen Part einnehmen könnte, dennoch hat man doch Themen die in die „Beste Freunde Schublade“ gehören und die man nicht unbedingt mit seinem Partner teilen möchte. Auch bestimmte Erlebnisse sind mit Freunden einfach anders.

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Ich hatte Sie auch. Diese eine beste Freundin. Sie war mein Ohr, mein Herz, mein sicherer Hafen, ganz egal welchen Kampf ich austragen musste. Sie war da, immer, überall. Sie war erreichbar, rund um die Uhr. Lag ich nachts betrunken auf dem Parkplatz vor meiner Wohnung hat Sie mich die Treppe hochgetragen. War ich verzweifelt weil meine Beziehung auseinander gebrochen war gab sie mir die Kraft nach vorn zu sehen. Als die Beziehung zu meiner Familie unerträglich schwierig wurde, nahm Sie mich bei sich auf. Wir lachten, weinten, tanzten, stritten uns.

Unser Kennenlernen war eher kühl. Wir waren 10 Jahre alt. Gerade in die fünfte Klasse gekommen und konnten uns eigentlich gar nicht leiden. Du machtest dich über mich lustig, ich versuchte mich aus allem raus zu halten. Irgendwann kamen wir scheinbar ins Gespräch. Ich wurde zu deinem Geburtstag eingeladen und kurze Zeit später waren wir unzertrennlich. Der erste Weg nach der Schule führte entweder zu dir oder zu mir. Wir erledigten gemeinsam unsere Hausaufgaben, hörten Musik und tanzten dazu. Wir waren viel unterwegs, schauten Filme, liebten es ins Schwimmbad zu gehen. Wir übernachteten an drei von sieben Tagen der Woche bei der jeweils anderen, teilten unsere Geheimnisse, unsere Gedanken, alles was uns bewegte. Damals war es noch die Musik die uns am meisten Freude bereitete. Du warst Backstreet Boys Fan, ich stand total auf Britney Spears. Wir konnten sämtliche Songtexte und Videos auswendig weißt du noch? Wir kopierten sogar deren Choerographien und führten sie bei unseren Schulaufführungen vor. Von vielen wurden wir dafür ausgelacht, aber das störte uns nicht. Wir besuchten sogar einmal die Woche einen Tanzkurs in einem Fitnessstudio. Regelmäßig wurden unsere Zimmer zu unserem Probenraum und die Nachbarn klopften mit Besen gegen die Decke weil die Musik zu laut war. Mein Gott hatten wir Spaß.

Ein paar Jahre später fingen wir an uns für Jungs zu interessieren. Wir tuschelten darüber welcher der Jungs aus der Parallelklasse der süßeste sei und malten uns aus wie es wohl wäre mit Ihm zusammen zu sein. Wir schrieben Tagebücher, führten Strichlisten wie oft uns jemand ansah und das ein oder andere Mal waren wir sogar mutig und fragten nach einer Telefonnummer. Wir wurden neugierig und veränderten uns langsam. Als wir uns das erste Mal schminkten wurden wir in der Schule übel ausgelacht. Blauer Lidschatten war wohl doch die falsche Wahl. Die hübschesten und interessantesten Mädchen waren wir außerdem nicht aber das hielt uns nicht davon ab Spaß zu haben und Neues auszuprobieren. Von Wickelröcken, Nietenjeans, bauchfreien Oberteilen (die wir lieber nicht hätten tragen sollen) und Plateauabsätzen jenseits von Gut und Böse will ich erst gar nicht anfangen. Aber gemeinsam fühlten wir uns wohl und unbesiegbar.

Mit den Jahren wurde der Kreis um uns herum etwas größer. Wir hatten eine richtig echte Clique. Wir erlebten unseren ersten Alkoholrausch, den ersten Joint, das erste Beziehungsdrama. Beinahe jedes Wochenende feierten wir Hauspartys, Poolpartys oder tanzten uns in der Disco die Füße wund. Wir sangen, knutschten wildfremde Jungs und übergaben uns Nachts entweder im nächstgelegenen Gebüsch oder zu Hause. Die Jungs die wir wollten, wollten uns nicht und umgekehrt. Bis die erste ernstzunehmende Beziehung dabei war dauerte es eine ganze Weile. In der Zwischenzeit waren wir damit beschäftigt auf fragwürdige Art und Weise unser Äußeres zu optimieren. Ich sage nur Wasserstoffblond. Es kam das Erste Piercing. Bauchnabel. Alle taten es. Und alle gingen zum selben Arzt (Warum zur Hölle waren wir nicht beim Piercer?), brachten die gleiche gefälschte Einverständniserklärung mit und hatten das gleiche schiefe Piercing. Ich trage es übrigens noch immer. =D Es folgten weitere Piercings von denen unsere Eltern wirklich nicht immer begeistert waren. Warum hat uns niemand aufgehalten ??? 😀 Im Nachgang kann ich sagen, ich bereue kein einziges. Aber das liegt eben auch daran, dass ich die Erinnerungen daran mit dir verbinde und das Sie zu den besten zählen die ich habe.

So tanzten wir uns durch unsere Teeniezeit, erlebten das ein oder andere Mädchendrama, verliebten und endliebten uns, waren eifersüchtig aufeinander und hielten doch immer zusammen. Auch in den schwierigsten Zeiten als deine Eltern sich trennten und ich hin und hergerissen zwischen meinen war waren wir uneingeschränkt füreinander da. Auf nichts und niemanden konnten wir uns mehr verlassen. Und obwohl uns diese Dramen jedes Mal hart trafen und uns bewusst machten, dass das Leben nicht nur Spaß macht, schafften wir alles was wir uns vornahmen. Wir schrieben gute Noten und fanden irgendwie unseren Weg ohne größeren Mist zu bauen. Keine Drogen, keine Prügeleien, keine Straftaten oder ähnliche Ausschweifungen. Im Grunde waren wir echt brave Mädels. Naja jedenfalls bissen wir uns durch, durch dieses Leben, dass als Teenager ganz schön hart sein kann. Unserer Freundschaft konnte nichts etwas anhaben. Unsere Frendschaft war für die Ewigkeit gemacht.

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In der zehnten Klasse dann hatten wir den ersten richtigen Streit. Ich spürte bereits damals, dass irgendwas passierte zwischen uns, dass eine Spur hinterließ die nicht mehr dahin zurück führte wo wir einst waren. Ich kann heute nicht einmal mehr sagen weswegen wir genau stritten, ich weiß nur noch das nicht du diejenige warst mit der ich mein Abschlussballkleid aussuchen ging und das auch nicht du diejenige warst die in der Aula neben mir saß als wir einzeln aufgerufen wurden um unsere Zeugnisse entgegen zu nehmen. Das war einer der schwersten Tage für mich. Nicht nur das quasi niemand aus meiner Familie anwesend war, nun musste ich das auch noch ohne dich meistern. Irgendwie ging es, doch die Freude über die bestandenen Prüfungen und den neu beginnenden Lebensabschnitt konnte ich mit niemandem so richtig teilen, denn der Rest unserer Clique war in dem Moment irgendwie nicht mehr greifbar für mich weil du einfach überall warst.

Glücklicherweise schafften wir es diesen Streit beizulegen und gingen den nächsten Schritt gemeinsam. Wir meldeten uns zum Abitur an. Wir gingen wieder in die gleiche Klasse und es schien so als würde alles wieder in Ordnung kommen. Wir blieben in der elften Klasse sogar zusammen sitzen. Wir führten unsere gemeinsamen Aktivitäten fort, halfen uns wieder gegenseitig beim Unterrichtsstoff, gingen wieder feiern. In unsere Klasse ging auch ein anderes Mädchen. Sie und ich wir verstanden uns gleich auf Anhieb. Vielleicht weißt du wen ich meine. Ich verbrachte viel Zeit mit Ihr. Heute rückblickend weiß ich, dass ich dir damals das Gefühl gegeben habe Sie sei mir wichtiger als du. Ich möchte dir sagen, dass mir das sehr Leid tut. Es war nicht die Tatsache, dass Sie eine bessere Freundin war oder ich Ihr mehr vertraute. Vielleicht ahnst du worauf ich hinaus will. Wir waren jung und wussten noch nicht so richtig wohin mit uns. Aber als ich Sie kennenlernte fühlte ich das erste Mal etwas, dass ich behalten wollte und das hatte gewiss nichts mit Freundschaft zu tun. Ich denke so langsam dürfte dir klar werden um wen es geht. Sie faszinierte mich. Ich wollte in Ihrer Nähe sein, am liebsten jeden Tag. Dabei vergaß ich das Leben um mich herum. Alles drehte sich nur noch um Sie und egal wohin ich ging, ich wollte Sie unbedingt dabei haben. Ich verschwendete zu wenige Gedanken daran, dass ich dich damit verletzen könnte. Doch ich bin mir sicher ich tat es. Einige Zeit später stellte ich fest, dass Sie einfach nicht den gleichen Weg gehen wollte wie ich. Ich war zutiefst verletzt und wendete mich ab. Nun warst du wieder wichtig. Du musstest mich auffangen. Dir erzählte ich alles was passiert war, was ich fühlte, was mich verletzte. Du hattest wieder ein offenes Ohr für mich, nahmst mich in den Arm, gabst mir Halt. Ich danke dir von Herzen dafür.

In den folgenden Monaten war ich wieder nur mit mir selbst beschäftigt. Ich datete einen Typen nach dem nächsten, war glücklich, war unglücklich und ließ alles bei dir. An deine Sorgen und Probleme in dieser Zeit kann ich mich quasi nicht mehr erinnern weil ich dir einfach nicht genug Aufmerksamkeit schenkte. Ich leistete mir dir gegenüber eine Dummheit nach der nächsten. Das wurde mir allerdings erst bewusst als ich feststellte, dass du dich anderen Menschen zuwendest. Dein Urlaub mit einer unserer Stufenkolleginnen traf mich tief. Ich war so eifersüchtig, dass ich nicht dabei sein konnte aber ich vermute für dich war es einfach wichtig, dass du Zeit mit jemandem verbringen konntest, der sich auch mit dir beschäftigte. Ich weiß nicht einmal wie er war, dein Urlaub.

Irgendwie waren wir noch immer befreundet und vertrauten uns, doch diese alte Leichtigkeit war verflogen. Es war immer schwerer miteinander zu kommunizieren weil bereits einige große Steine zwischen uns lagen die keiner weg zu tragen vermochte. Nachdem ich viele weitere Dummheiten begangen hatte, die ich hier nicht alle aufzählen möchte kam der Tag an dem ich zu Hause komplett überfordert und unglücklich war. Nach einer gescheiterten Beziehung (auch hier weißt du vermutlich welche gemeint ist), raus aus der Wohnung des Ex, zurück nach Hause erlebte ich dort das absolute Chaos. Eine zu kleine Wohnung, kein eigenes Zimmer mehr, eine neue Familie mit der ich so gar nichts anfangen konnte machten mir meinen Alltag unerträglich. Und wer kam um mich da raus zu holen? DU! Du warst es mal wieder, gemeinsam mit deiner Mutter. Ihr gabt mir das Einzige was mir in dieser Zeit helfen konnte. Ihr nahmt mich auf mit offenen Armen, eurer Verständnis und eure Fürsorge rührt mich heute noch zu Tränen. Ich bekam das Bett deiner Schwester die einige Zeit zuvor ausgezogen war. Ich hatte Platz im Schrank, durfte mich fühlen wie zu Hause….und ich trat es mit Füßen. Ich verhielt mich wie ein rotziger Teenie. Ich räumte nicht auf, hing nur rum oder kam gar nicht nach Hause. Ich fing an mich mit deiner Mutter zu streiten obwohl ich dankbar hätte sein müssen für so viel Verständnis einem Kind gegenüber, dass nicht Ihr eigenes war. Ohne das es wie eine Entschuldigung für das klingen soll was ich getan habe aber vermutlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt einfach schon so viel hinter mir, dass es mir absolut unmöglich war ein „normaler“ Teenager zu sein und mich respektvoll zu verhalten.

Wenige Monate später zog ich wieder aus in die Wohnung eines anderen Kollegen. Die ganze Geschichte hier wieder aufzurollen würde noch mehr den Rahmen sprengen als es jetzt schon der Fall ist. Danach hatten wir lange Zeit überhaupt keinen Kontakt. Diese Zeit war mit die schlimmste meines Lebens. Erst etwa zwei Jahre später brachte ich den Mut auf dich zu kontaktieren. Und du hast geantwortet. Wir führten ein ewig langes Gespräch und Ich entschuldigte mich bei deiner Mutter. Ich kann dir gar nicht sagen wie viel besser es mir danach ging. Ich hatte das Gefühl unsere Freundschaft hatte den Neustart Knopf gedrückt und wir konnten da anfangen wo wir Jahre vorher aufgehört hatten. Du kamst wieder zu meinem Geburtstag, wir redeten Stundenlang und ich hatte tatsächlich das Gefühl das uns von nun an nichts mehr trennen könne.

Du wurdest schwanger und ich durfte dich begleiten. Ich sollte Patentante werden und allein der Gedanke daran trieb mir vor Glück die Tränen in die Augen. Ich lief los und erstellte einen Sparplan für den kleinen  Mann. Ich wollte alles richtig machen. Ich wollte dir zeigen, dass du dich absolut auf mich verlassen kannst, in jeder Situation. Nach der Geburt sahen wir uns ab und an und ich war jedesmal absolut hingerissen von dem kleinen. Kurz danach fand deine standesamtliche Hochzeit statt. Irgendwann kurz vor Weihnachten 2010 oder? Du hattest mich eingeladen. Da wir uns aufgrund deines Wohnortes nicht oft sehen konnten hatte ich einen Korb voll Geschenke dabei. Das eine war ein Fotoalbum, in liebervoller Handarbeit zusammen gestellt, mit all unseren schönsten Erinnerungen, das andere waren Weihnachtsgeschenke für dich und deinen Sohn, da wir uns bis Weihnachten vermutlich nicht mehr sehen würden. Ich ließ dir an diesem Abend alles da und du sagtest noch am selben Abend „Danke“. Ich weiß es nicht mehr genau aber es war glaube ich ein Montag.

Am Samstag darauf waren wir zum Frühstück verabredet. Das weiß ich noch als wäre es gestern gewesen. Die Sonne schien. Ich machte mich fertig in freudiger Erwartung, dass Ihr zwei bald eintreffen würdet…. Aber du kamst nicht. Zuerst dachte ich du würdest dich verspäten doch mit jeder Minute die verging wurde das unwahrscheinlicher. Also versuchte ich dich anzurufen. Doch niemand nahm ab. Auch antwortete niemand auf meine Nachrichten. In den folgenden Tagen versuchte ich immer wieder jemanden zu erreichen. Dich, deine Mutter, deine Schwester, den Trauzeugen…der mir dann schrieb es ginge euch gut und er wüsste nicht warum niemand abnehme. Ich konnte dich einfach nicht erreichen weder telefonisch, noch per E Mail noch über irgendwen anders. Es schien als seist du vom Erdboden verschluckt worden. Einige Wochen später traf ich deine Mutter. Sie sagte mir euch ginge es gut, die Antwort auf die Frage warum du dich nicht meldest wollte Sie mir aber nicht geben. Wieder einige Zeit später traf ich den Freund deiner Schwester. Er sagte mir sinngemäß genau das Gleiche obwohl er andeutete, dass du gesagt hättest ich würde mich in eure Familie drängen. In eure Familie drängen? Was wolltest du denn damit sagen? Ich verstand es nicht. Es sollen Worte gefallen sein wie „Sie hat sich regelrecht aufgedrängt Patentante zu werden“. Dabei hast du mir doch am Telefon gesagt, am Tag an dem du erfahren hast das du schwanger bist, „ Herzlichen Glückwunsch Nadine, du wirst Patentante“. Das war während meiner Ausbildung. An einem Montag während der Arbeit. Drei Tage nachdem du mir erzählt hattest, das du Angst hast du seist schwanger. Habe ich das geträumt? Kann man sich so ein Telefonat tatsächlich einbilden? Ich kann dir gar nicht sagen wie viele hunderttausend Mal ich mir diese Frage gestellt habe.

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In den Monaten und Jahren danach war ich nur damit beschäftigt auseinander zu pflücken was passiert war. Aber ich kam einfach auf keine logische Antwort. Ich wusste ich hatte in der Vergangenheit viel Mist gebaut aber ich war der festen Überzeugung gewesen wir hatten das hinter uns gelassen und wollten an unserer Freundschaft arbeiten. Es waren ja immerhin 14 Jahre. 14 Jahre in denen ich mit dir mehr geteilt hatte als mit jedem anderen Menschen sonst. Das du plötzlich überhaupt nicht mehr greifbar für mich warst brach mir das Herz. Es brach in so viele Teile, das ich noch lange Zeit danach Mühe hatte alles zusammen zu halten. Niemand der nach dir kam konnte den Scherbenhaufen vollends aufkehren. So viele Jahre hörten wir nichts voneinander. Kein Anruf, kein Brief, keine SMS… nichts dergleichen.

Dann kam der Tag unseres ersten Klassentreffens. Fünf Jahre nachdem ich das letzte Wort mit dir gesprochen hatte. Ich wusste du kommst. Die WhatsApp Gruppe die eigens dafür gegründet worden war wurde schließlich von uns beiden mit genutzt. Jedes Wort das ich von dir las, ließ mein Herz schneller schlagen. Vor Angst, vor Wut vor Trauer. Ich hatte Wochen um mir zu überlegen wie ich dir gegenübertreten wollte. Ich überlegte hin und her was ich sagen könnte, welche Fragen ich an dich habe und ich wurde immer wütender. Ich wollte das nicht. Ich wollte mir einfach nicht die Blöße geben und dastehen wie der letzte Idiot während du dich amüsierst. Und dennoch hatte ich den starken Drang dir so viel an den Kopf zu werfen wie nur möglich. Ein Teil von mir wollte dich verletzten, richtig tief verletzen. Ein anderer verlangte unentwegt nach Antworten und fragte sich wie es danach weitergehen sollte.

Und dann war er da. DER Abend. Ich war so aufgeregt, dass ich kurz davor war abzusagen. Aber alle anderen rieten mir davon ab und freuten sich auf unser Wiedersehen. Also ging ich hin. Ich stieg aus dem Auto, ging auf den Eingang zu, öffnete die Tür und schaute nach rechts. Und da sah ich euch alle. Ihr redetet gelassen miteinander, hattet schon etwas zu trinken bestellt. Es war ein überschaubares Grüppchen in dem ich dich natürlich sofort entdeckte. Du saßt da am Ende des Tisches hattest ein Lächeln im Gesicht. Und genau an diesem Ende des Tisches musste ich zu euch stoßen. Dort war der Eingang zu unserer Sitzbucht. Die erste die mich sah warst Du. Du warst direkt vor mir, nur einen Meter entfernt. Ich sah dich an, du standest auf, kamst mit geöffneten Armen und lächelnd auf mich zu um mich zu begrüßen. Und Ich? Ich winkte ab, begrüßte jeden anderen und setzte mich ans andere Ende des Tisches. In diesem Moment fühlte ich eine solche Genugtuung. Den restlichen Abend hatte ich Mühe dich zu ignorieren. Ich versuchte mit den anderen Leuten irgendwelche banalen Gespräche zu führen, Blickkontakt zu vermeiden. Ich möchte hier überhaupt nicht weiter auf diesen Abend eingehen aber ich dachte danach kurzweilig wirklich, dass du dich melden würdest um mir zu sagen, dass du verstehst warum ich das getan habe. Aber das hast du nicht. Niemals.

Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass ich an diesem Abend auch ein eindeutiges Zeichen gesetzt habe, dennoch blieb irgendwie der letzte Funken Hoffnung das du doch noch Interesse an mir, an uns hast. Vielleicht hattest du das sogar. Ich weiß nicht was du jemals über all das gedacht hast denn du hast es mir nie verraten.

Noch zwei Jahre später fasste ich mir wieder ein Herz und schrieb dir. Du hast geantwortet und ehrliches Interesse an einer Aussprache bekundet. Nachdem wir aus Zeitgründen nicht dazu gekommen waren einen passenden Termin zu finden, bot ich dir an dich zu melden wenn es für dich passt. Leider blieb auch das bisher aus und nun sind schon wieder etliche Wochen und Monate verstrichen.

Heute ist der Funken erloschen doch die Fragen bleiben auch wenn sie mich nicht mehr quälen. Es gab nie eine auch nur annähernd gute oder sogar beste Freundin in meinem Leben die mit dir vergleichbar gewesen wäre und bis heute gibt es niemanden dem ich so sehr mein Leben anvertrauen würde wie ich es damals bei dir getan hätte. Unsere Beziehung hat mich geprägt und das nicht nur zu meinem Vorteil dennoch würde ich keine Sekunde davon missen wollen. Aber Sie ist vorbei und ich bin mir sicher irgendwann kommt eine Neue die mir genauso viel Herz, Vertrauen und Fürsorge schenken wird wie du.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. berriebetty sagt:

    Vielen Dank 😊

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  2. Kim sagt:

    Sehr berührend geschrieben

    Gefällt mir

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