#personal : Embrace / Stern TV und was danach geschah !

„Ich wünsche mir so oft morgens aufzuwachen und das Gefühl zu haben „Du bist ein toller Mensch“.

So in etwa lautete meine Aussage in einem Stern TV Beitrag vom 11.05.2017. Wer Ihn nicht gesehen hat kann hier noch einmal reinklicken und sich das gesamte Studiointerview ansehen.


 

Ende April 2017 bekam ich eine Nachricht über Facebook die mich staunen ließ. Ich hatte kurz vorher einen Filmtrailer kommentiert den SternTv gepostet hatte und wurde daraufhin angeschrieben ob ich nicht Lust hätte an einem Beitrag mitzuwirken. Was ich damals unter diesen Trailer schrieb könnt Ihr hier nachlesen. Ein einstündiges Telefonat mit einer Redakteurin später stand fest: „Ja auf jeden Fall“. Bei dem Film handelte es sich um die australische Dokumentation „Embrace – Du bist schön“ von und mit Taryn Brumfitt. Taryn äußert sich darin höchst offen über Ihren Weg zu einem selbstliebenden Ich und zeigt völlig unverfälscht was Frauen auf der ganzen Welt über sich und Ihren Körper denken. Authentisch, ehrlich, emotional und so faszinierend vielseitig wie es kaum ein anderer Film jemals gezeigt hat, spricht Sie über Makel, Perfektion und den Wunsch auszusehen wie ein „Alien“ das überhaupt nicht existiert.

Etwa zwei Wochen später stand ein kleines Filmteam, bestehend aus drei Leuten, vor meiner Tür. Wir drehten ca. acht Stunden lang einen Beitrag darüber wie ich mich in meinem Körper fühlte, was genau ich an mir nicht mochte und aus welchen Gründen ich so empfand. Den fertigen Beitrag sollte ich am Abend des 10ten Mai Live im Studio sehen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass alles was ich dort sagte absolut dem entsprach was ich fühlte. Ich fühlte mich unwohl, hässlich, nicht gut genug für diese Welt. Bis dato verwand ich den Großteil meiner Energie dazu darüber nachzudenken was ich an mir ändern könnte, welche Diät für mich die größte Wirkung hatte und wieviel Geld ich sparen müsste um mich diversen Schönheits- OP´s unterziehen zu können. So sehr mich der Trailer zu diesem Film erschreckte und faszinierte zugleich, umso mehr überraschte es mich, dass ich wahrhaftig eine dieser Frauen war. Ich war eine von ihnen. Unglücklich, selbstkritisch, wütend auf meinen Körper und irgendwie wollte ich jemandem die Schuld dafür geben, dass ich so hässlich und unperfekt war. Logischerweise gab es da niemanden außer mir selbst. Ich hasste mich und ich hasste was ich aus mir gemacht hatte. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich freiwillig bereits in Therapie. Ich entschied mich vor mehr als einem Jahr bewusst dazu, um heraus zu finden wie ich mit mir selbst sorgsamer umgehen könnte und vor allem um zu verstehen warum gerade ich dieses abstoßende Bild von mir selbst hatte. Der entscheidende „Klick“ blieb bis dato aber leider aus.

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Der zehnte Mai kam und ich saß etwa eine Stunde vor Sendungsbeginn zusammen mit Claudia, die wie ich ins Studio eingeladen worden war, und Steffen Hallaschka zusammen um den Ablauf der Sendung ein letztes Mal durchzugehen. Zugegeben ein wenig aufgeregt war ich schon. Nicht etwa weil ich gleich vor einem Millionenpublikum meine persönlichen Probleme erzählen würde, sondern viel mehr weil ich unbedingt wissen wollte was aus meinem Beitrag schlussendlich geworden war. Und dann ging es los. Wir saßen alle gemeinsam in einem kleinen Raum hinter der Bühne und verfolgten das Geschehen als der Trailer anlief und wir alle gebeten wurden auf die Bühne zu gehen um dort Platz zu nehmen.

Ein eigenartiges Gefühl. Ein Wohnzimmerartiges kleines Studio, in beruhigendes Rot getaucht, so viele Kameras und das Wissen im Hinterkopf, dass am Fernseher zu Hause mehrere Millionen Menschen zusehen. Irgendwie surreal und gleichzeitig absolut faszinierend und spannend. Also saß ich da, in meinem kleinen roten Sessel, der so bequem war, dass ich völig tiefenentspannt zuhören und zusehen konnte wie mein eigener Beitrag über die große Leinwand lief. Tiefenentspannt. Ja so lange bis ich meinen eigenen Worten Gehör schenkte. Ich hörte mich sagen wie hässlich und fett ich sei. Ich hörte mich über mich selbst sagen, dass ich mich für keinen guten Menschen halte, nur aufgrund meiner Figur. Ich sah in meine eigenen Augen, die glasig waren von den Tränen die mir anschließend übers Gesicht liefen. Ich sah mich Kleider tragen die ich zwar selbst gekauft aber nie getragen hatte, weil ich mich schämte, mich damit außerhalb meiner Wohnung zu zeigen. Und wie ich so da saß und meinen eigenen völlig verstörenden Worten lauschte, fragte ich mich ob ich das Ernst meine?

War ich wirklich so oberflächlich? Hatte ich mir wirklich die letzten Jahre mein Leben damit schwer gemacht? Meine Zeit damit vergeudet darüber nachzudenken warum ich so hässlich sei? Hatte ich nur darauf hingearbeitet? Was erwartete ich eigentlich von mir, vom Leben, von anderen? Ich wusste es plötzlich nicht mehr. Mir war als sei es eine Fremde die über sich spricht und der ich sagen möchte „Das stimmt nicht. Du bist schön, klug, witzig, hübsch. Du bist gesund und clever und hast schon so viel erreicht in deinem Leben. Du hast es nicht verdient unglücklich zu sein.“

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Im Anschluss an den Beirag startete eine kurze Diskussionsrunde in der ich von Herrn Hallaschka gefragt wurde warum ich mich so sehe. Ich könne mich ja durchaus in den schillerndsten Farben darstellen. Er fragte woran das läge. Ich wusste es. Es ist mir heute genauso klar wie damals. Ich würde meine Erklärung dafür und das was ich im letzten Jahr gelernt habe niemals als Ausrede deklarieren, aber Tatsache ist, es gibt Dinge die tief in uns schlummern. Dinge derer wir nicht Herr sind, die wir spät oder nie realisieren wenn wir nicht lernen mit ihnen zu leben. Ich habe gelernt zu verstehen und achtsam zu sein indem ich eine Therapie begann. Dort lernte ich das „Warum?“ besser zu verstehen. Dort lernte ich, dass nicht ICH die Schuldige oder Dumme bin, sondern das es andere Menschen und Situationen gegeben hat die mich dazu gebracht haben mich selbst in Frage zu stellen.

Während mir nun diese Frage gestellt wurde war mir nur Eines wichtig: Ich wollte das die Menschen zu Hause vor Ihren Bildschirmen verstehen. Ich wollte das Sie verstehen was Erfahrungen und Erlebnisse mit einem Menschen und dessen Seele anrichten können. Ich wollte das niemand das Gleiche durchmachen muss wie ich, sondern dass andere darüber nachdenken was Sie mit Worten und Taten zerstören können. In meinem Fall begann die Zerstörung schon früh in meiner Kindheit und jeder dem das auch passiert ist weiß wie schwer es ist aus alten Mustern, Gewohnheiten und Ängsten auszubrechen. Doch ich wollte nicht nur anderen die Gelegenheit geben dies zu verstehen, ich wollte auch mir selbst und dem Menschen der mir das angetan hatte zeigen das ich es laut aussprechen kann. Ich wollte beweisen, dass man mich nicht mehr einschüchtern oder verletzen kann, denn ich hatte gelernt. Ich hatte gelernt es zu verstehen, zu verarbeiten und zu respektieren, dass es nicht meine Schuld war und das alles was mir angetan wurde nicht die Wahrheit war.

Ich war nie hässlich, ich war nie wertlos oder dumm. Ich war ein Kind. Ich war ein Kind das all diese Dinge überlebt hatte. Ich war ein Kind das es geschafft hatte jede Hürde zu meistern, sein Leben an den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu orientieren um heute mit beiden Beinen fest am Boden zu stehen. Als hätte es irgendeinen Unterschied gemacht ob ich damals 10 Kilo weniger gewogen oder eine andere Haarfarbe gehabt hätte. Hätte es nicht, denn ich wäre auch schlanker oder blond dieser tolle, starke Mensch geworden. Ja ich bin ein toller Mensch und das weiß ich heute!


 

Das ist es was danach passierte: Ich ging einen Tag später ins Kino und schaute „Embrace – Du bist schön“ und noch während des Films musste ich immer wieder zustimmend nicken wenn dort jemand sagte, dass es nicht nötig sei sich selbst als weniger Wert zu betrachten nur weil man den gesellschaftlichen Anforderungen nicht entspricht. Genauso schüttelte ich jedes Mal ungläubig mit dem Kopf wenn einen hübsche junge Frau in die Kamera sagte sie sei fett und hässlich. Es ist schlichtweg totaler Unsinn und streng genommen Körperverletzung jemandem das Gefühl zu geben er müsse sich verändern um seinen Marktwert zu erhöhen. Jeder Körper erzählt eine Geschichte. Eine Jahrzentelange Geschichte, die Liebe, Freude, Trauer, Wut, Verzweiflung und Vieles mehr überdauert. All das zeigt sich eben auch äußerlich.

Ich für meinen Teil ging aus dem Kino und hatte meine Antwort klar vor Augen. Schluss damit. Schluss mit den Selbstzweifeln, schluss damit meinen eigenen Körper zu quälen um dünner zu werden. Schluss mit Beleidigungen und Selbstmitleid. Mein Leben hat andere Baustellen, die deutlich mehr Aufmerksamkeit benötigen als mein Gewicht. Schluss mit Verboten, Zwang und Verzicht.

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©cocovonmünchenfotografie

Ja es mag für den ein oder anderen unglaublich klingen aber ich kann euch eines versichern. Ich habe seit diesem Tag nicht ein einziges Mal vor dem Spiegel gestanden und mich selbst bemängelt. Ich habe seitdem nicht einmal auf der Waage gestanden. Ich habe nur noch gegessen was mir schmeckt und auf nichts mehr verzichtet. Ich weiß ich habe zugenommen aber mich interessiert wirklich nicht wieviel. Mein Körper kann mir selbst sagen wann ich etwas brauche und ich bin klug genug zu wissen wann mir etwas gut tut und wann nicht. Also esse ich was mir schmeckt, ziehe an was mir gut gefällt und lasse den Mob reden der noch nie einen einzigen Meter in meinen Schuhen gelaufen ist.

 

By the way möchte ich hier noch einmal Danke sagen. Danke an das gesamte stern TV Team das mich so herzlich aufgenommen und umsorgt hat. Danke an Nora Tschirner die einen wahnsinnig tolle und sensible Einstellung zu diesem Thema hat und DANKE Taryn Brumfit, die mit Ihrer Dokumentation und Ihrer Ehrlichkeit einen so wichtigen und emfpindlichen Nerv getroffen hat, dass es fast unmöglich war daran vorbei zu kommen. Ich hoffe inständig, dass noch viele andere Frauen diesen Film gesehen haben und erkennen konnten, dass Sie gut sind wie sie sind!!! #ihaveembraced

 

Eure Nadine

 

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