4 Monate vegan – Was hat sich verändert?

07.10.2017….der Tag an dem meine Freundin und ich uns entschieden vegan zu werden. „Veganer werden“….klingt als würde man sich einer Sekte oder so anschließen. Als würde man sein ganzes Leben auf den Kopf stellen um einem Gemüsegott zu folgen. Und man mag es nicht glauben aber für die meisten Menschen scheint es genau das zu sein. Eine abstruse Lebensweise die mit ethischen Richtlinien, Zwängen, Verzicht und jeder Menge Pflichten, die schier unerfüllbar zu sein scheinen, einhergeht.

Sollte man nicht vorher einen Kurs besucht haben um überhaupt zu verstehen was dieser „Veganismus“ überhaupt sein soll? Sollte man nicht erst einmal Bücher wälzen, Foren lesen und zu Gleichgesinntentreffen gehen um Verbündete zu finden, die den schweren Weg mit einem gemeinsam gehen? Sollte man nicht davor gewarnt werden auf welch dunklen Pfad man sich begibt wenn man einmal die Seiten gewechselt hat? Es mag am Anfang riesig und unerreichbar erscheinen, ja das gebe ich zu. Man lebt in Angst zu verhungern oder an einer Nährstoffunterversorgung zu sterben und überhaupt ist dieses ganze vegan sein ziemlich gefährlich und unberechenbar für unseren Körper, wenn wir nicht gar an einer Nährstoffunterversorgung sterben.

Okay Spaß beiseite. Ich kann euch versichern, es tut gar nicht weh. Ja ganz zu Anfang und das muss ich leider zugeben ist es recht aufwendig. Denn sind wir mal ehrlich. Fast jeder von uns ist mit tierischen Produkten aufgewachsen. Beinahe jeder von uns bekam schon früh Milch, Käse, Joghurt und natürlich Fleisch vorgesetzt weil es einfach „normal“ war und in vielen Regionen auch einfach als Luxus galt, sich Fleisch überhaupt leisten zu können. Nun bin ich 30 Jahre alt und habe 30 Jahre Gewohnheit und „Tradition“ hinter mir, die ich selbstverständlich nicht plötzlich ausradieren kann. Deswegen verstehe ich auch zu gut was in den Menschen vorgeht denen ich davon erzähle oder die mir Ihre Fragen stellen, denn ich war einer dieser Menschen. Ich war unwissend, gewollt und ungewollt. Ich war ein Stück weit zu gemütlich und nicht gut informiert und vielleicht hatte ich auch einfach viele andere Sachen im Kopf die mich davon abhielten mich mit meiner Ernährung auseinander zu setzen.

Ein kleiner Ausflug in meine Jugend:

Ich war schon immer etwas übergewichtig. Schon als kleines Mädchen brachte ich gute 10 Kilo mehr auf die Waage als gesund für mich gewesen wäre. Je älter ich wurde desto mehr Körperbewusstsein entwickelte ich. Je Jugendlicher ich wurde, desto öfter schaute ich in den Spiegel und sah nicht den Teeniestar vom Bravo Cover sondern das kleine dicke Mädchen von nebenan. Ich sah ein kleines aufgedunsenes, hässliches etwas, dass unbedingt abnehmen musste. Meine erste Diät startete ich mit 15 weil ich unglücklich verliebt war. Ich nahm 16 Kilo ab und ein Jahr später war alles wieder drauf. Im halbjahrestakt verlor ich zwischen 10-20 Kilo die dann wieder drauf gefuttert wurden. Ich sah mich strahlend in Größe 36 und ein paar Monate später weinend und mit offener viel zu enger Jeans vor dem Spiegel. Mit jeder Diät wurde meine Beziehung zum Essen schwieriger. Ich hasste alles was es zu Essen gab. Jede Mahlzeit wurde nach Kalorien aufgerechnet und ich analysierte wie lange es dauerte die Kalorien wieder loszuwerden. Manchmal ein, zwei, drei oder sieben Tage ohne Essen sollten den fauxpas vom Vortag oder der Vorwoche wieder richten. Auch wenn ich nie bei einem Arzt war oder irgendwer in Frage gestellt hätte, dass ich gesund bin, bin ich mir heute ganz sicher ich litt an einer massiven Essstörung. Ich aß völlig unkontrolliert manchmal bis mir schlecht war, dann wieder  gar nichts bis ich vor Erschöpfung umkippte. Um es auf den Punkt zu bringen: Essen war gleichzeitig das Schlimmste und das Schönste für mich und ich bewegte mich immer zwischen diesen beiden Extremen ohne überhaupt zu wissen wie wichtig die tägliche Nahrungsaufnahme war. Ich hatte keine Ahnung wozu Sie gut war oder was bestimmte Nahrungsmittel mit meinem Körper machten. Ich wusste nur eines, dass ich dünn sein wollte. Essen machte keinen Spaß, es war einfach nur kräftezehrend, deprimierend und füllte meinen Kopf von der Minute in der ich aufwachte bis zum späten Abend an dem ich einschlief.

Und damit kommen wir zu den Veränderungen, die ich durchlebt habe seit ich mich vegan ernähre. Es klingt fast wie Magie einfach etwas anderes zu essen und sich plötzlich so viel besser zu fühlen. Zugegeben um mein Jugendproblem in den Griff zu kriegen reichte es nicht aus NUR anders zu essen oder meinen Lebensstil in eine andere Richtung zu bewegen, dennoch kann ich nicht abstreiten, dass das Gefühl, das ich heute beim Essen habe in keinster Weise gleichzusetzen ist mit dem, das ich früher hatte.

Ich beschreibe es gerne wie folgt:

Seitdem ich mich vegan ernähre habe ich Lebensmittel kennengelernt, die ich nie zuvor probiert hatte. Ich entdecke Tag für Tag immer neue Kombinationen, die immer anders schmecken und aussehen. Das typische Mittagessen mit Kartoffeln, Mischgemüse und einem Stück Fleisch gibt es nicht mehr. Man hat das Gefühl das sich einem plötzlich eine völlig neue Welt eröffnet, denn dadurch das man die Augen offen hält und sich intensiv mit seiner Ernährung auseinander setzt probiert man so viele verschiedene Sachen aus, dass es einem nie langweilig wird. Plötzlich wird das banalste Lebensmittel zum Highlight und ein Stück Obst schmeckt wie der Himmel auf Erden. Unabhängig von den vielen leckeren Dingen die man dazugewinnt wenn man auf pflanzliche Ernährung umsteigt ist da noch die Farbvielfalt die mir jedes Mal Freude bereitet wenn ich koche oder einen meiner Smoothies zubereite. Sattes grün im Glas oder buntes allerlei im Obstsalat, verschiedenfarbige Kartoffeln, Reis und diverse Getreidesorten die man in unzähligen Variationen kombinieren kann haben mir den Spaß am essen wiedergegeben.

So unglaublich es klingt, so unglaublich fand ich die Vorstellung jemals auf Fleisch, Fisch, Käse und Milchprodukte zu verzichten. Ich esse ohne schlechtes Gewissen, ohne auf Kalorien oder Nährwerte zu achten, denn mein Körper sagt mir von ganz allein was er braucht. Ich habe Hunger auf genau das was meinem Körper fehlt ohne das ich mir Gedanken darüber machen muss. Ich konnte es selbst nicht fassen aber ich habe das eigenartige Gefühl, dass mein Körper beginnt mir wieder zu vertrauen, dass er beginnt zu begreifen das immer etwas zu essen da ist wenn er Hunger bekommt und das das was ich Ihm gebe gut für Ihn sein wird. Wenn man mich also fragt was sich für mich verändert hat, dann kann ich sagen „einfach alles“. Angefangen bei der Tatsache, dass ich Freude bei der Zubereitung des Essens empfinde, ich es bis zum letzten Bissen genieße und in meinem Kopf wieder Platz für andere schöne Dinge des Lebens ist.

Ganz nebenbei tut man natürlich noch etwas für Tiere und Umwelt (was zugegeben eigentlich die Hauptgründe sind wegen derer ich mich auch zukünftig vegan ernähren möchte). Abschließend kann ich nur eines sagen. Völlig egal wie man es dreht und wendet, es ist keine Gruselgeschichte, es tut nicht weh und wir werden nicht an Mangelernährung sterben weil uns die vegane Ernährung alles bietet was wir brauchen um ein langes gesundes Leben zu führen. Und das liebe Freunde ist, was sich bei mir verändert hat!

 

 

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. berriebetty sagt:

    Ja leider ist die Anzahl der Menschen die verstehen worum es beim Veganismus überhaupt geht noch sehr gering aber der Trend hin zum gesünderen und nachhaltigem Essen ist definitiv spürbar. Die Problematik wegen derer auch große Politiker immer wieder gegensteuern ist leider die Tatsache das die Lebensmittel- und auch die Pharmaindustrie jedes Jahr Milliarden einnehmen. Die Massentierhaltung ist einer der größten Abnehmer für Antibiotika und da kann man sich vielleicht vorstellen was passieren würde wenn es plötzlich keine Massentierhaltung mehr gäbe. In der Wirtschaft zählt nicht das Lebewesen (auch nicht der Mensch) dort zählt nur was Geld bringt. Deswegen ist es auch so schwer alle Öffentlichkeit aufzuklären und davon zu überzeugen das wir im Grunde alle hintergangen werden. Der Verbraucher ist aber das Zünglein an der Waage. Er muss wissen was er kauft und konsumiert und deswegen habe ich mich auch entschieden dazu zu gehören. Zum Vegan Team sozusagen.
    Aber ich verstehe auch absolut wie schwer es Menschen gemacht wird die sich dafür entscheiden. Man wird ständig kritisiert und belehrt (meist von denen die keine Ahnung haben) und manche werden sogar sozial ausgegrenzt. Ich möchte gern das sich das ändert und das schafft man glaube ich nur wenn man immer positiv dabei bleibt. 💪

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  2. Und wenn man darüber spricht ^^

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  3. Manches ist ja total logisch und trotzdem muss ich es erst lesen und noch einmal in einer Doku sehen bis es Klick macht. Und gerade macht es ganz oft Klick bei mir^^

    Ich finde es toll, wie positiv du in die Zukunft siehst. Ich habe letztens noch in der „Schrot und Korn“ gelesen, dass vegan und vegetarisch zwar ein Trend wären, der sich aber auf die Gesamtsumme (also alle Verbraucher), als recht klein zeigt. Und man gerade nur mit veganen Produkten richtig Kohle machen will.
    Ich fände es wichtig, wenn es schon in Schulen ein Fach geben würde, was Konsumverhalten und ernährung thematisiert.

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  4. berriebetty sagt:

    Hey meine liebe.
    Danke auch von meiner Seite erst einmal für deinen Kommentar. Ja das Argument mit den Kleinbauern kann ich auch gut verstehen. Viele sagen ja man sollte sich lieber um die Probleme der Menschen kümmern anstelle der Tiere, dabei vergessen sie, dass eine pflanzliche Ernährung einen sehr großen Teil dazu beiträgt Probleme wie Hunger zu bekämpfen. Durch das Wissen das ich mittlerweile habe sehe ich so viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel, dass man das Gefühl hat man lebt in einer verkehrten Welt.

    Warum das Image so schlecht ist verstehe ich leider auch nicht. Die Problematik dabei liegt vermute ich darin, das die größten Konzerne der Welt Ihr Geld ausgeben um uns weiß zu machen, dass wir tierische Produkte brauchen. Es werden Studien gefälscht, Milliarden in Werbung gesteckt und alles dafür getan uns nicht merken zu lassen wie wir verarscht werden. Aber der Wandel ist sichtbar und deutlich spürbar und ich glaube, dass das in den nächsten Jahren noch viel weitere Kreise ziehen wird. =)

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  5. Danke für diesen schönen und ehrlichen Beitrag. Es freut mich, dass du deinen Weg gefunden hast. Ich habe letztens „15 Milliarden“, die Dokumentation gesehen, und dabei noch ein anderes Argument für eine pflanzliche Ernährung kennengelernt: Um Kleinbauern zu unterstützen.

    Und ich frage mich wirklich, warum das vegane Image so schlecht geworden ist, dass man sich kaum traut zu sagen, dass man da mitmacht bzw. mitmachen möchte.

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